2. April 2013

Meet the coach – Frühstück mit Marilyn

Na, fleißig Ostereier gesammelt? Wahrscheinlich hat es der neue Papst nicht geschafft. Aber dann
vielleicht ja der Osterhase. Obwohl ich das auch bezweifle. Aber dennoch, möglicherweise hat ja doch der eine oder andere unter euch in den letzten Tagen mal eine Kirche von innen gesehen. Um sich von seinen Sünden reinzuwaschen, um Vergebung zu bitten für seine schlechtesten Opener und seine Porno-Sammlung oder einfach weil es nicht schaden kann mal wieder ein bisschen in sein Karma zu investieren. Vielleicht schickt einem der große weisse Affe da oben ja doch dieses Jahr mal den heißen kleinen Weihnachtsengel oder süssen Osterhasen, den man sich schon wünscht seit man weiß, was man mit blondgelockten, halbnackten Kindfrauen in Wirklichkeit so alles anstellen kann.

Und wenn man sich dann in so einem feinen Gotteshaus mal all den Klunker und das Blattgold betrachtet, könnte einem ja der böse Gedanke kommen, dass man mit der Verzweiflung und der Einsamkeit von Menschen wohl schon immer eine ganze Menge Kohle machen konnte. Wenn Menschen unzufrieden mit sich und der Welt sind und man ihnen eine Lösung bietet, lassen sie sich nicht nur leicht lenken, sondern sie greifen auch gerne mal sehr tief ins eigene Portemonnaie. Organisierte Religion ist da nur ein Beispiel von vielen. Und die Menschen sind unzufrieden. Schon immer. Und wer es nicht ist, dem lässt sich ja auch ganz leicht erklären, warum er eigentlich unzufrieden sein sollte, weil er dies oder das nicht hat oder kann, was angeblich alle anderen haben oder können oder es zumindest wollen. Dafür muss man ihm nur oft genug zeigen, wie viel Spaß man mit der neuen Spielkonsole haben kann oder später dem neuen Kleinwagen. Und da sich alles was Menschen sich erträumen – spezielle wenn sie bis vor kurzem noch gar nicht wussten, dass sie davon träumen – am einfachsten über andere, viel ältere Träume verkaufen lässt endet ja auch die Werbung für fast jedes noch so unwichtige Produkt, vom Schokoriegel bis zur Hausratsversicherung damit, dass die wunderschöne, junge Blonde dem zufrieden grinsenden Schlauberger um den Hals fällt, der das Produkt gekauft hat und deswegen die glückliche Beziehung und den geilen Drecksau-Sex gleich noch kostenlos und für immer mitgeliefert bekommt. Ende gut, alles gut. Oder bei dir etwa nicht?

Berlin ist ein Paradies für Psychotherapeuten. Ich habe das Gefühl, fast jeder macht oder hat mal eine Therapie gemacht, oder zumindest angefangen. Ich selbst saß natürlich wie jeder gute Mittdreissiger auch schon drei Jahre lang einmal die Woche neben einer Packung Kleenex und habe über meine Kindheit, mein Leben und meine geschissenen Exfreundinnen philosophiert. Das war nicht schlecht. Aber wirklich viel weiter gebracht hat es mich auch nicht. Der minimale Vorteil an Therapeuten gegenüber Paffen ist, sie nehmen nicht unseren Omis das Geld aus der Tasche, sondern nur unseren Krankenkassen. Und natürlich ist mir klar, dass am Ende ja nur mein kerngesunder und therapieunwilliger Nachbar die Beiträge für meine Hippie-Therapeutin und ihre Ostseeurlaube mit ihrer Lebensabschnittsgefährtin und dem dazugehörigen Labrador gezahlt hat, aber trotzdem macht das die Sache für einen knausrigen Schotten wie mich doch ein kleines Stück sympathischer. Noch direkter – und im übrigen teilweise auch noch höher – lassen sich manche PickUp- oder Dating-Coaches bezahlen. Was sind Datingcaoches? Ich weiß es nicht genau. Meine Vermutung geht dahin, dass ein Datingcoach, genauso wie ein Therapeut oder ein Pfarrer mit seinem eigenen Leben, oder einem bestimmten Teil davon, so dermassen gar nicht klar kam, dass er oder sie sich irgendwann einmal auf eine lange Suche nach einer Lösung gemacht hat. Die einen haben eine Lösung für ihr verkorkstes Leben oder ihr Problem, gefunden und die anderen eben nicht. Alle gemeinsam haben sie aber so viel Zeit in diese Suche investiert, dass sie in der Zwischenzeit völlig verpeilt haben etwas anständiges zu lernen und daher beschlossen haben, dann eben aus der gefundenen Lösung ihrer Probleme einen Beruf zu machen. Wenn sie noch genug Zeit für ein Studium hatten wurden sie also Pfarrer, Therapeut, Erdkundelehrer oder gründeten eine Schule für Method-acting. Wenn es selbst dafür schon zu spät war eben Datingcaoch oder Rutengänger. Und diejenigen, die nicht mal eine richtige Lösung für ihr eigenes Leben gefunden hatten, und selbst das mit dem Datingcaoch nicht richtig hinbekamen, arbeiteten dann eben bei RTL2.
So oder so ähnlich erkläre ich mir das Entstehen solcher Berufe wie Pfarrer, Datingcoach oder Jurymitglied. Aber das ist, wie gesagt, nur eine Vermutung von mir. Und da ich selbst einen Beruf ausübe, den andere für eine lustige, sinnlose Erfindung aus Fernsehserien der 80er Jahre oder Pornofilmen halten und für den man eher Dinge VERlernt als etwas Sinnvolles gelernt haben muss, darf ich mir herausnehmen solche Spekulationen in den Raum zu stellen.

Vor einigen Tagen bot sich mir, bei einem Heimaturlaub, die Gelegenheit zum einen meiner Familie für einige Stunden zu entkommen und gleichzeitig einen weiblichen Datingcoach zu treffen, mit der ich schon seit einer Weile in Kontakt war. Da ich mir bei fremden Frauen nie ganz sicher bin, wie sie auf mein unfassbares Äußeres reagieren, verabredete ich mich also mit ihr an einem neutralen, öffentlichen Platz vor einem Einkaufszentrum und natürlich bei Tageslicht. Ich packte mein Pfefferspray ein, schob meinen Minirock zurecht und ging los. Ich gebe zu, dass ich auf dem Weg schon ein wenig aufgeregt war, da es mein erstes Zusammentreffen mit jemandem aus der “Szene“ war und ich so gar nicht einschätzen konnte, was mich da gleich erwarten würde.

Um dem Vorwurf der Werbung aus dem Weg zu gehen, und weil das mit Frauen in diesem Blog nunmal sowieso so Tradition ist, bekommt auch dieses “Date“ ein Pseudonym.

MARILYN wartete bereits auf mich als ich ankam und so stieg ich also zum ersten Mal in meinem Leben zu einer fremden Frau aus dem Internet ins Auto. Wir begrüßten uns und eigentlich war der Bann für meine Wenigkeit schon mit ihrem Auto gebrochen. MARILYN fuhr einen auffallend bunten, völlig zugemüllten Smart, der dem Begriff “Knutschkugel“ wohl alle Ehre machen würde. Aber wir hatten ja erstmal vor uns zu unterhalten. Ich versuchte also für meine Füße irgendwo zwischen den leeren Clubmate-Flaschen, den RedBull-Dosen und reichlich anderem Verpackungsmüll ein Plätzchen zu finden. Auf der Ablage vor mir stapelten sich Blätter mit handschriftlichen Notizen und Texten. Ich konnte, Neugierig wie ich bin, ein paar Überschriften lesen und es schien sich wohl um Vorträge oder Gedanken für Seminare zu handeln. Es ging hier wohl doch um Arbeit nicht nur ums Vergnügen und offensichtlich hatte ich es mit einem kreativen Geist zu tun.

Wir fuhren in ein nettes, kleines Café, das leider offensichtlich nicht ganz unbekannt und daher ziemlich überfüllt war. MARILYN hatte eigentlich für uns reserviert, aber wir wurden erstmal zu zwei Mädels mit an den Tisch gesetzt, weil unser Tisch noch nicht frei war. Wir bestellten Kaffee und begannen ein wenig mit Smalltalk. Zumindest war das mein Plan. MARILYN schien aber kein großer Freund von langsamem Kennenlernen zu sein und auch das vor-den-Mund-Nehmen von Blättern schien nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zu zählen. Stattdessen dauerte es nur Minuten bis wir thematisch im Schlafzimmer angekommen waren und ich bildete mir ein zu bemerken, wie die zwei Mädels neben uns gelegentlich kleine Lauschpausen in ihr Gespräch einlegten. MARILYN war mir extrem schnell sehr sympathisch und erinnerte mich in ihrer Art stark an eine meiner besten Freundinnen. Alles an ihr schrie förmlich “Frau“ wobei sie das Ganze mit einer derart direkten Kumpelhaftigkeit mischte, dass ich mir sofort vorstellen konnte, wie leicht man sich ihr wahrscheinlich öffnen und wie viel Spaß man mit ihr Nachts in Clubs oder Bars haben kann. Das Konzept von zwischenmenschlichen Hemmschwellen, Kontaktproblemen oder Sicherheitsabständen im allgemeinen war an ihr und ihrem Charakter wohl bisher reichlich spurlos vorbeigegangen.

Wir begannen chronologisch mit ein wenig Plausch über ihren Werdegang und ihre ersten Kontakte mit der Pick Up Community, von der sie sich nach eigener Aussage inzwischen lieber ein Stück weit distanziert. Sie sei vor einigen Jahren recht unvorbelastet und wie die meisten Katzen über einen Boyfriend in die Szene gestolpert und habe dort als junge Cat sowohl die gänzlich unprofessionelle Aufmerksamkeit einiger selbsternannter Pick Up Gurus als auch die, weiblichen Szenekatzen entgegengebrachte, nahezu grenzenlose Narrenfreiheit genossen. Sie scheint sich also nicht nur ausgiebig mit Pick Up sondern auch mit den dazugehörigen Männern beschäftigt zu haben. Es fallen keine Namen, aber die würden mir auch sowieso nichts sagen. Dafür verirrt sich bei Marilyns bild- und detailreichen kleinen Szene-Anekdoten regelmäßig ein heißer Schluck Milchkaffee in meine Luftröhre. Im Gegenzug kann ich natürlich nicht viel über meine acht Monate Nicht-Erfahrung mit Pick Up berichten und erzähle ihr lieber von meinen bisherigen lustigen Beziehungen und meiner Vorliebe für psychisch mittelschwer derangierte Kindfrauen, mit denen man sich ach so herrlich irrational streiten kann.

Der junge, hübsche und vollkommen überforderte Kellner unterbricht uns um sich zu entschuldigen, dass unser Tisch immer noch nicht frei ist und sich danach mental mit einem Davidoff'schen Hechtsprung in Marilyns Männeraugen-freundliches Dekolleté zu stürzen. Als er wieder auftaucht und gerade mit beiden Armen das Meerwasser in die Luft katapultieren will, lächelt sie ihn nett an und sagt ihm, dass das mit dem Tisch zwar noch kein Problem sei, sie aber in absehbarer Zeit dann eventuell etwas ungemütlicher werden könnte. Nordkoreas Nachrichtensprecherin hätte es nicht schöner ausdrücken können. Der Jungspund wird sich seiner Bedrohungslage schlagartig bewusst und zieht schwitzend ab.

Wir sprechen weiter über Frauen und Männer, was uns trennt und was uns verbinden sollte und über die Missverständnisse und die Frustration, die Pick Up bei manchen unsicheren, jungen Männern auslösen kann. Ihr Ansatz, so verstehe ich sie, scheint eher ein positives Verständnis der Frau und ihrer Wünsche zu sein, als die simple, männliche Denke der “Aufrisstechnik“ a'la “folgen sie Punkt C bis sie Reaktion 2d erkennen und halten sie dann den Attractionknopf gedrückt bis das Eskalations-LED blinkt“. Ich bilde mir ein herauszuhören, dass sie das Meiste eher aus ihrem persönlichen Erleben als Frau gezogen hat, als aus PickUp- und Psychologie-Literatur. Sie ist zehn Jahre jünger als ich, strahlt aber eine, für Frauen ihres Alters, eher seltene, ruhige Selbstsicherheit aus. Als ihr Milchkaffee leer ist, steht sie auf und erklärt mir ruhig und entspannt in sich ruhend, dass sie jetzt kurz mal bescheid gibt, dass wenn wir nicht sofort einen Tisch bekämen sie den Laden hier gleich ein klein wenig umdekorieren würde.

Ich frage mich schon, ob ich vielleicht die schönsten Bilder mal von den Wänden nehmen und in Sicherheit bringen sollte, als in einer Ecke zwei Mädels aufstehen und ein Tisch für uns frei wird. Die Retro-Einrichtung des Ladens scheint also für heute wieder in Sicherheit zu sein. Wir setzen uns an den Tisch in die Ecke und diskutieren weiter. Es geht um die unterschiedlichen Ansprüche von Männern an Frauen und umgekehrt und wie diese sich mit zunehmendem Alter verändern. Mit einer Frau Anfang Zwanzig bleibt eine solche Unterhaltung allerdings im flachen Gewässer und da mir unser Zusammentreffen bisher für meinen Geschmack sowieso noch zu harmonisch verlief werfe ich kurz mal einen Aufhänger zur aktuellen Sexismus-Debatte ein. Natürlich übernehme ich in dieser Konstellation die feministische Sichtweise, würde ja sonst keinen Spaß machen und irgendwas muss es einem ja auch mal im Leben bringen, Alice Schwarzer wirklich gelesen zu haben und wochenlang Sonntags auf antisexistischen Männerfrühstücken rumgesessen zu haben. Prompt kommt auch etwas Schwung in die Unterhaltung und die zwei Damen in der anderen Ecke des Cafés, bei denen wir vorher mit am Tisch saßen, haben endlich auch wieder was von unserer Unterhaltung. Marilyn beäugt zunehmend unzufrieden die Tassen und Teller der Mädels, die vor uns an dem Tisch gesessen hatten, bis sie alles zusammenräumt und mit den Worten „Ich hol mal nen Lappen“ in Richtung Tresen trägt. Ich frage mich kurz, ob ich hätte helfen sollen, beschließe aber es als Beitrag zu unserer vorherigen Feminismus-Diskussion zu sehen. Ich mag alte Rollenbilder fast ganz genauso wenig wie Aufräumen und Wischen.

Marilyn kommt mit einem Putzlappen zurück und wird von unserem Kellner mit Todesangst im Gesicht beobachtet. Sie wischt unseren Tisch und als der junge Mann seinen Motorradhelm von draussen geholt hat traut er sich auch mit vorgehaltenem Tablett langsam zu unserem Tisch vorzurücken. Sie bestellt überraschend entspannt ihr Frühstück. Putzen soll ja auf manche Frauen eine beruhigende Wirkung haben. Zum Essen verzichte ich auf den Feminismus. Der schmeckt bekanntlich nicht so doll. Aber danach geht es noch eine schöne Runde weiter, inklusive Nazivergleich und diesmal sogar bis Marilyn beim Wort “Hitler“ endlich fast so laut wird, wie ich Frauen in der Öffentlichkeit gerne habe. Ich vermute ja, sie hat mein zufriedenes Leuchten in den Augen kurz gesehen, obwohl ich versucht hatte es zu verstecken. Frauen haben ja heimlich dann doch immer den Durchblick und die Kontrolle über die Situation. Alles in allem war es ein wirklich gelungener Brunch mit allem was man sich dazu nur wünschen kann. Reichlich Milchkaffee und Brötchen, eine heftig emotionale Diskussion, eine wunderschöne Frau und Hitler.

Zum Ausklang bekommen wir noch eine Runde Ingwertee aufs Haus. Offiziell, weil wir so lange auf unseren Tisch warten mussten, aber ich glaube ja der nette Kellner wollte in Wirklichkeit einen Ehestreit verhindern, da er Marilyns Tellerwurftechnik erahnen konnte. Wieder so ein Mann der keine Ahnung von der Schönheit aufgebrachter Frauen hat.

Zum Weinen bringen konnte ich Marilyn allerdings nicht mehr. Sonst wäre ich aber wohl auch wirklich noch schwach geworden und hätte alle meine unfehlbaren Pick Up Techniken und geheimen NLP-Ninja-Routinen an ihr ausprobiert. Dafür hat sie mich noch ein Stück in ihrer lustigen Knutschkugel mitgenommen, damit ich nicht so weit laufen muss. Wir haben uns sehr herzlich verabschiedet und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns bald mal wieder sehen werden.


Was konnte ich also aus diesem Tag ziehen, ausser dass ein Smart tatsächlich manchmal Charme haben kann? Mein Bild auf den Beruf des Dating- oder PickUp-Coaches konnte Marilyn nicht wirklich verändern. Ich halte es nach wie vor für eine sehr zweifelhafte Profession. Ich persönlich würde wohl auch kein Geld dafür ausgeben, was aber nicht heißen soll, dass ich nicht glaube, dass es Männer gibt, denen ein solches Coaching eventuell helfen kann. Mein Bild von Menschen und anderen Soziopathen aus und in der Pick Up Szene hat Marilyn sehr positiv verändert. Nicht, dass sie keinen absolut merklichen zwischenmenschlichen Dachschaden hätte, aber wer hat den bitte nicht, und ihrer ist in jedem Fall einer von der extrem sympathischen Sorte.
Hat mir Marilyn etwas geraten? Ja hat sie tatsächlich. Eine Sache. Mich von den “Pickuppern“, wie sie sie nennt, möglichst fern zu halten. Ich würde ja sowieso kein Pick Up im klassischen Sinne machen und die Jungs hätten mit Sicherheit keinen guten Einfluss auf mich oder mein Dating. Das war alles was sie mir geraten hat. Und wie ihr wisst, höre ich auf die Dinge die man mir rät.

Dieses Wochenende war ich das erst Mal mit “Pickuppern“ im Club unterwegs. Aber das wird bald in einer anderen Geschichte erzählt.

Bis dahin!

Elia

1 Kommentar:

  1. Mit der Eistellung gegenüber 'Pick-Uppern' im klassischen Sinne gehe ich mit dir konform. Die meisten dieser Leute sind dermaßen auf ihr Pickup fixiert, dass andere soziale Kompetenzen auf der Strecke bleiben. So sind zwar neben den Freuden von fehlerfrei durchgeführter Routinen durchaus echte Ergebnisse in zwischenmenschlichen Beziehungen möglich, es mangelt ihnen jedoch an Validität. Die Erfolge, die auf korrekt ausgeführte Routinen und Verhaltensabläufe zurückgeführt werden sind meistens lediglich das Ergebnis davon, überhaupt Kontakt mit einer Frau aufgenommen zu haben und die positive Einstellung, das Vertrauen in sich selbst, auf dem allenfalls der Pickup-Aufkleber hängt. Natürlich spricht nichts gegen diese Rationalisierung, die den Eindruck von Kontrolle über einen - aufgrund seiner imensen Komplexität - nicht ohne weiteres bis ins Detail kontrollierbaren Prozess entstehen lässt. (Die Inka wurden ja schließlich auch nicht durch ihre Götter hinfort gefegt, solange sie ihnen Menschenopfer darbrachten.) Allerdings tendiert dieses Konzept stark zur Pseudowissenschaft und andere wichtige Aspekte, wie Werte, Visionen und Einstellungen vernachlässigt. Die Frau wird als statisches Target angesehen - lediglich gestuft in 10 optische Klassen - und wird zu einer Testapparatur degradiert, die, zumindest meistens, die selben, bestimmten Reaktionen wiedergibt, wenn die Richtige Reihenfolge von Triggern sie erreicht. Stimulus Response - vor 50 Jahren widerlegtes Modell über das menschliche Verhalten. Die Wahrheit ist natürlich, dass die Prozesse von zwischenmenschlichem Verhalten derart komplex und dynamisch sind, dass wir sie noch nicht einmal vollständig erfassen können. In Wirklichkeit wissen Frauen selber nicht, nach welchen Schemata sie jemanden mögen. Sie akzeptieren die aufgesetzten Sozialverrenkungen, weil diese eben mit einerm gewissen Selbstvertrauen, und schlichtweg Kommunikation einhergehen.
    Auf der anderen Seite würde ich Coaches, oder Pfarrer, nicht perse als nutzlos für echte, persönliche Entwicklung bezeichnen. Beide geben ein System vor, an das sie glauben. Bei beiden Systemen fehlt die Validität. Doch ein Ergebnis ist vorhanden. Beide ziehen ihre Kraft, in dem was sie tun, aus eben diesen Überzeugungen, dass ihr System valide ist und funktioniert. So ist es, meiner Meinung nach, allemal lohnenswert auch mal ein Coaching zu machen, allein schon, um die Ausstrahlung und die Energie des Coaches zu erleben und aufzunehmen. Sich selbst auszuprobieren in der vermeintlichen Sicherheit seiner Obhut. Oder einfach nur eine gewisse Zeit mit einem erfolgreichen Menschen zu verbringen und ebendiese Energie und Ausstrahlung des erfolgs auf das eigene System wirken zu lassen. (Voraugesetzt natürlich, dass es sich um eben eine solche erfolgreiche Führungspersönlichkeit handelt und keinen Devil.)
    Dort, denke ich, sollte Pickup ansetzten, oder sich zumindest in diese Richtung etwickeln. Weg von den leicht verdaulichen aber instabilen Konstrukten gesteuerten Verhaltens hin zu einer Erfahrungsbasierten Gesamtentwicklung des ganzen Charaktersystems. (Wobei es schon deutliche Tendenzen in diese Richtung gibt.)

    Grüße
    Pete

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